{"id":870,"date":"2026-09-17T20:00:14","date_gmt":"2026-09-17T18:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/gfl-luk.de\/?p=870"},"modified":"2026-09-29T20:14:35","modified_gmt":"2026-09-29T18:14:35","slug":"wir-feiern-baeume-waehrend-sie-in-der-sonne-verdursten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gfl-luk.de\/?p=870","title":{"rendered":"\u201eWir feiern B\u00e4ume, w\u00e4hrend sie in der Sonne verdursten\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Juni bis September wanderten 20 B\u00e4ume in K\u00fcbeln als Beitrag zur Klimaanpassung durch Luckenwalde. Inzwischen stehen sie eingeschlagen auf dem Bauhofgel\u00e4nde, die Kosten sind unklar, und die Verwaltung hat der Stadtverordnetenversammlung binnen weniger Wochen drei verschiedene Begr\u00fcndungen f\u00fcr die geplatzte F\u00f6rderung geliefert. Wir haben mit Ramon Wittich, Vorsitzender der B\u00fcrgerinitiative Gemeinsam f\u00fcr Luckenwalde (GfL), \u00fcber das \u201eBaumfestival \u2013 Wohlf\u00fchlklima in der Wanderoase\u201c gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>GfL:<\/strong> <em>Herr Wittich, das Baumfestival wollte f\u00fcr Klimaanpassung sensibilisieren. Ein gutes Anliegen, was st\u00f6rt Sie daran?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ramon Wittich:<\/strong> Am Anliegen selbst gibt es nichts auszusetzen. Aber wie es umgesetzt wurde, ist an Ironie kaum zu \u00fcberbieten. Man nimmt 20 B\u00e4ume, stellt sie in schwarze K\u00fcbel auf Holzpaletten und schickt sie ausgerechnet in den hei\u00dfesten Monaten des Jahres, laut F\u00f6rderantrag von Anfang Juni bis Mitte September, quer durch die Stadt \u00fcber versiegelte, stark aufgeheizte Fl\u00e4chen. Das ist der denkbar schlechteste Zeitpunkt f\u00fcr B\u00e4ume mit einem Wurzelballen in einem K\u00fcbel statt im Erdreich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>GfL:<\/strong> <em>Die Verwaltung sagt, man habe das Hitzerisiko im Blick gehabt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ramon Wittich:<\/strong> Das schreibt sie selbst so in ihren Antworten und genau das entlarvt das Problem. Es ist die Rede von Bew\u00e4sserungsbeuteln mit 75 Litern Fassungsverm\u00f6gen pro Baum, davon, dass die Feuerwehr regelm\u00e4\u00dfig w\u00e4ssern muss und der Bauhof als Ausfallreserve einspringt, \u201eum den Hitzestress der B\u00e4ume zu minimieren\u201c. Wenn man selbst einr\u00e4umt, dass ohne t\u00e4gliche Feuerwehreins\u00e4tze Hitzestress droht, muss man sich fragen, warum man ein Klimaanpassungsprojekt ausgerechnet so plant, dass es st\u00e4dtische Einsatzkr\u00e4fte im Hochsommer zus\u00e4tzlich bindet, statt die B\u00e4ume einfach dort einzupflanzen, wo sie hinsollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>GfL:<\/strong> <em>Ausgerechnet das Sonnensegel, das f\u00fcr Schatten sorgen sollte, wurde gestrichen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ramon Wittich:<\/strong> Genau das ist f\u00fcr mich der symboltr\u00e4chtigste Punkt. Im F\u00f6rderantrag war eine Sammelposition \u201e20 B\u00e4ume, mobiles Sonnensegel und Sandkasten\u201c mit 48.600 Euro veranschlagt. Als die F\u00f6rderung platzte, war das Sonnensegel pl\u00f6tzlich weg und laut Stellungnahme der Verwaltung vom 18. Juni schlicht gestrichen. Zum Sandkasten schweigt man sich seitdem komplett aus. \u00dcbrig blieb ausgerechnet das, was am wenigsten mit Hitzeschutz zu tun hat: die B\u00e4ume selbst, in der Sonne, ohne Verschattung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>GfL:<\/strong> <em>Kommen wir zur Kalkulation. Wo genau hakt es?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ramon Wittich:<\/strong> An fast jeder Stelle. Im F\u00f6rderantrag waren die B\u00e4ume, das Sonnensegel und der Sandkasten gemeinsam mit 48.600 Euro veranschlagt. Nach dem R\u00fcckzug des Antrags war pl\u00f6tzlich nur noch von \u201erd. 5.800 Euro\u201c f\u00fcr die B\u00e4ume die Rede. Drei Wochen sp\u00e4ter, in der zweiten Antwort, waren es 6.500 Euro, obwohl der Verwaltung zu diesem Zeitpunkt l\u00e4ngst die tats\u00e4chlichen Rechnungen der Baumschule vorlagen: 5.756,60 Euro brutto. Man hat sich also nicht einmal die M\u00fche gemacht, die eigenen Rechnungen nachzuschauen, sondern ein \u00e4lteres Angebot abgeschrieben. In derselben Kostentabelle taucht dann noch die Position \u201ePflanzk\u00fcbel\u201c gleich zweimal auf, einmal mit 150 Euro, einmal mit 1.400 Euro. Das ist keine seri\u00f6se Kostenaufstellung, das ist Buchhaltung nach Gef\u00fchl.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>GfL:<\/strong> <em>Wie erkl\u00e4ren Sie sich diese Ungenauigkeiten?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ramon Wittich:<\/strong> Ein Baustein daf\u00fcr liefert die Akteneinsicht selbst: Ein Mitarbeiter des Stadtplanungsamts hat Pflanzk\u00fcbel bei einem Baumarkt privat vorfinanziert, weil ein Kauf auf Rechnung nicht m\u00f6glich war, und den Projektpartner FUSS e.V. gebeten, ihm den Betrag auf sein privates Konto zu erstatten, statt auf ein st\u00e4dtisches Konto. Wenn \u00f6ffentliche Ausgaben \u00fcber Privatkonten von Mitarbeitenden laufen, wundert es mich nicht, dass am Ende niemand mehr genau sagen kann, was wof\u00fcr ausgegeben wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>GfL:<\/strong> <em>Die F\u00f6rderung von rund 64.000 Euro wurde ja komplett zur\u00fcckgezogen. Warum eigentlich?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ramon Wittich:<\/strong> Das ist die spannendste Frage, denn darauf gibt es drei verschiedene Antworten, je nachdem, wen man fragt und wann. Im offiziellen R\u00fcckzugsschreiben, das der B\u00fcrgermeister pers\u00f6nlich unterschrieben hat, steht: Die Unterlagen seien einfach noch nicht fertig gewesen, der Zeitplan zu eng. In der ersten Antwort an mich hie\u00df es dann pl\u00f6tzlich, die Nachforderungen des F\u00f6rdermittelgebers seien \u201enicht leistbar\u201c gewesen. Es handelt sich dabei schlicht um gesetzlich vorgeschriebene Vergabegrunds\u00e4tze: mindestens drei Vergleichsangebote ab 2.500 Euro, eine echte statt einer pauschalen Kostenaufstellung. Und in der zweiten Antwort war es dann wieder ein ganz anderer Grund: man habe haushaltsrechtliche Risiken vermeiden wollen. Drei Geschichten f\u00fcr einen Vorgang. Das ist keine Kommunikationspanne mehr, das ist ein Muster.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>GfL:<\/strong> <em>Und was ist jetzt mit den B\u00e4umen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ramon Wittich:<\/strong> Die stehen, wie die Amtsleiterin des Stadtplanungsamts der Stadtverordnetenversammlung am 15. September mitgeteilt hat, \u201eeingeschlagen\u201c auf dem Bauhofgel\u00e4nde, w\u00f6rtliches Zitat dazu: \u201eDen B\u00e4umen geht es jetzt gut.\u201c Der B\u00fcrgermeister erg\u00e4nzte, gepflanzt werde nun Mitte Oktober an den bekannten Standorten. Das hei\u00dft: Die B\u00e4ume, die im Hochsommer bei Hitzestress durch die Stadt gefahren wurden, verbringen anschlie\u00dfend noch einmal mehrere Wochen zwischengelagert, bevor sie endlich dort landen, wo sie eigentlich von Anfang an h\u00e4tten stehen sollen. Welche zus\u00e4tzlichen Kosten dem Bauhof dadurch entstehen, steht in keiner einzigen der bisher vorgelegten Kostenaufstellungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>GfL:<\/strong> <em>Gibt es auch Hinweise auf Probleme bei der geplanten B\u00fcrgerbeteiligung?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ramon Wittich:<\/strong> Uns liegen dazu Hinweise vor, die wir noch nicht abschlie\u00dfend best\u00e4tigen k\u00f6nnen: dass der f\u00fcr Ende Juli geplante gro\u00dfe B\u00fcrger-Umzug der B\u00e4ume mangels Beteiligung faktisch vom Bauhof \u00fcbernommen werden musste. Genau deshalb haben wir diesen Punkt nicht als Tatsache in unser Statement geschrieben, sondern als offene Frage an die Verwaltung formuliert. Aber schon allein die Frage zeigt: Ein Fest, das auf Mitmachen ausgelegt war, scheint an genau diesem Mitmachen gekrankt zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>GfL:<\/strong> <em>Wann haben die Stadtverordneten oder die \u00d6ffentlichkeit denn \u00fcberhaupt erfahren, wo die B\u00e4ume am Ende wirklich stehen sollen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ramon Wittich:<\/strong> Das ist tats\u00e4chlich bemerkenswert. Wir haben das noch einmal genau nachrecherchiert, auch in der \u00f6rtlichen Presse. Die vier Standorte f\u00fcr die Dauerpflanzung, Zinnaer Stra\u00dfe, Feuerwehr, die Jahn-Grundschule und das ehemalige Gaswerksgel\u00e4nde, tauchen zum ersten Mal \u00fcberhaupt in der Antwort vom 28. Juli auf, also in der Antwort auf meine Anfrage als Stadtverordneter. In keinem einzigen fr\u00fcheren Dokument, weder im F\u00f6rderantrag noch in der Ausschusspr\u00e4sentation vom 2. Juni noch in der Stellungnahme vom 18. Juni, stehen diese Standorte oder eine Zuordnung der Baumarten. Und auch in der Presse findet sich dazu nichts. Die Stadtverordneten haben also offenbar erst nach meiner Anfrage erfahren, wo ihre eigenen B\u00e4ume am Ende landen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>GfL:<\/strong> <em>Was fordert die GfL jetzt konkret?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ramon Wittich:<\/strong> Wir haben der Verwaltung einen Katalog mit 16 Fragen \u00fcbersendet, mit einer Frist von 14 Tagen. Es geht um eine schl\u00fcssige, einheitliche Begr\u00fcndung f\u00fcr die R\u00fccknahme der F\u00f6rderung, um eine belastbare Endabrechnung auf Basis echter Rechnungen statt Angebote, um Klarheit dar\u00fcber, ob f\u00fcr das eigentlich zweckgebundene Klimaschutz-Budget des ehemaligen Freibads jetzt Geld fehlt, und um die vollst\u00e4ndigen Kosten, die dem Bauhof durch Umzug, Einschlagen und Pflanzung entstanden sind. Ein Klimaanpassungsprojekt, das selbst so schlecht geplant ist, dass es am Ende zus\u00e4tzliche Ressourcen im Hochsommer bindet und Monate sp\u00e4ter immer noch nicht eingepflanzt ist, braucht dringend eine ehrliche Man\u00f6verkritik und keine dritte Sprachregelung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>GfL:<\/strong> <em>Letzte Frage: War das Baumfestival aus Ihrer Sicht komplett verfehlt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ramon Wittich:<\/strong> Die Idee, Stadtgr\u00fcn und Klimaanpassung erlebbar zu machen, ist richtig und wichtig. Aber ein Projekt, das genau in den hei\u00dfesten Wochen des Jahres junge B\u00e4ume tagelang durch die Sonne fahren l\u00e4sst, dessen Kostenplan sich alle paar Wochen \u00e4ndert und das am Ende ohne belastbare Abrechnung monatelang auf einem Bauhof zwischenlagert, ist kein Vorzeigeprojekt f\u00fcr Klimaanpassung, es ist ein Lehrst\u00fcck daf\u00fcr, wie man ein gutes Anliegen durch schlechte Vorbereitung selbst besch\u00e4digt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte der Vorstand der GfL.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gemeinsam f\u00fcr Luckenwalde (GfL)<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Juni bis September wanderten 20 B\u00e4ume in K\u00fcbeln als Beitrag zur Klimaanpassung durch Luckenwalde. 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